Diagnosegruppe EX und Leitsymptomatik a, b, x: Bedeutung im Heilmittelkatalog

Von Philipp Ramsch, Entwickler von Thera X · Lesezeit ca. 4 Minuten
Physiotherapeut untersucht Schulter und Nacken einer Patientin – Befund für die KörperkarteDieses Bild wurde mit KI erzeugt.

„EX a“ steht auf vielen Heilmittelverordnungen – aber was bedeutet das genau? Die Diagnosegruppe und die Leitsymptomatik legen fest, welche Heilmittel in welcher Menge verordnet werden dürfen. Hier erklären wir die Diagnosegruppe EX, die Leitsymptomatiken a, b und x und den Unterschied zur Diagnosegruppe WS – nach dem Heilmittelkatalog, Stand 1. Januar 2026.

Was ist die Diagnosegruppe EX?

EX steht für Erkrankungen der Extremitäten und des Beckens. Sie ist eine der Diagnosegruppen im Heilmittelkatalog der Physiotherapie (zweiter Teil der Heilmittel-Richtlinie des G-BA). Typische Erkrankungen sind laut Katalog zum Beispiel:

  • Verletzungen und Frakturen, Zustand nach Operationen
  • Arthrosen, Periarthropathien, Tendopathien
  • Bandersatz, Arthrodesen, Amputationen
  • entzündliche, auch rheumatische Gelenkerkrankungen
  • Luxationen, z. B. von Hüfte, Patella oder Schulter
  • Fehlhaltungen und Fehlstellungen der Füße

Leitsymptomatik a, b und x bei EX

Die Leitsymptomatik beschreibt, welche Funktion vorrangig geschädigt ist. Sie wird auf der Verordnung mit einem Buchstaben angegeben:

Kürzel Bedeutung laut Heilmittelkatalog
a Schädigung der Gelenkfunktion – z. B. Beweglichkeit und Stabilität, Schmerzen (auch Stumpf- und Phantomschmerz)
b Schädigung der Muskelfunktion – z. B. Kraft, Ausdauer, Koordination, Muskeltonus, Schmerzen
x patientenindividuelle Leitsymptomatik – wenn a und b nicht passen; sie muss auf der Verordnung beschrieben werden
Gibt es „EX c“?

Nein. Für die Diagnosegruppe EX nennt der Heilmittelkatalog nur die Leitsymptomatiken a, b und x. Steht „EX c“ auf einer Verordnung, passt sie nicht zum Katalog – klären Sie das vor Behandlungsbeginn mit der verordnenden Praxis.

Heilmittel, Mengen und Frequenz bei EX

Merkmal Diagnosegruppe EX
Vorrangige Heilmittel KG (auch Gruppe, Gerät, Bewegungsbad), MT, Übungsbehandlung, Chirogymnastik, klassische Massagetherapie (KMT), Unterwasserdruckstrahlmassage, Segment-, Periost- und Bindegewebsmassage
Ergänzende Heilmittel Wärme- und Kältetherapie, Elektrotherapie, hydroelektrische Bäder
Höchstmenge je Verordnung bis zu 6 Einheiten
Orientierende Behandlungsmenge bis zu 18 Einheiten (bis zum 18. Geburtstag bis zu 50), davon bis zu 12 für die standardisierte Heilmittelkombination und für Massagetherapien
Frequenzempfehlung 1–3 × wöchentlich

Die orientierende Behandlungsmenge ist keine harte Grenze: Darüber hinaus kann bei medizinischer Notwendigkeit weiter verordnet werden, die Begründung dokumentiert die verordnende Praxis. Für bestimmte Diagnosen gelten zudem die Ausnahmen langfristiger Heilmittelbedarf und besonderer Verordnungsbedarf mit bis zu 12 Wochen je Verordnung.

EX oder WS – der Unterschied

Die Diagnosegruppe WS (Wirbelsäulenerkrankungen) ist ähnlich aufgebaut, unterscheidet sich aber in den Leitsymptomatiken: a) Schädigung der Bewegungssegmente mit lokalem oder (pseudo-)radikulärem Schmerz, b) Schädigung der Muskelfunktion, x) patientenindividuell. Bei WS kommt die Traktion als ergänzendes Heilmittel hinzu; die erhöhte Behandlungsmenge für Kinder und Jugendliche gibt es dort nicht.

Welche Diagnosegruppen gibt es in der Physiotherapie?

EX ist eine von mehreren Diagnosegruppen. Der Heilmittelkatalog ordnet sie vier Bereichen zu:

Bereich Diagnosegruppen
Stütz- und Bewegungsorgane WS Wirbelsäulenerkrankungen · EX Erkrankungen der Extremitäten und des Beckens · CS chronifiziertes Schmerzsyndrom
Nervensystem ZN ZNS-Erkrankungen einschließlich des Rückenmarks und neuromuskuläre Erkrankungen · PN periphere Nervenläsionen und Muskelerkrankungen
Innere Organe AT Störungen der Atmung · GE arterielle Gefäßerkrankungen · LY Lymphabflussstörungen
Sonstige Erkrankungen SO1 Störung der Dickdarmfunktion · SO2 Störungen der Ausscheidung · SO3 Schwindel · SO4 sekundäre periphere trophische Störungen · SO5 u. a. chronische Adnexitis und chronische Prostatitis

Jede Gruppe hat eigene Leitsymptomatiken, Heilmittel und Mengen. Die Werte in diesem Beitrag gelten ausschließlich für EX.

Drei Beispiele aus dem Praxisalltag

  • Nach einer Knieoperation mit eingeschränkter Beugung: typischer Fall für EX a – im Vordergrund steht die Gelenkfunktion.
  • Muskuläre Schwäche nach längerer Ruhigstellung des Beins: eher EX b – im Vordergrund steht die Muskelfunktion.
  • Ein Beschwerdebild, das weder zu a noch zu b passt: EX x – die Leitsymptomatik muss dann auf der Verordnung beschrieben sein.

Die Beispiele dienen nur der Veranschaulichung. Welche Leitsymptomatik passt, entscheidet die verordnende Praxis anhand ihres Befunds.

EX und Blankoverordnung

Die Blankoverordnung in der Physiotherapie ist an die Diagnosegruppe EX gekoppelt – für ausgewählte Schulterdiagnosen. Details lesen Sie im Beitrag Blankoverordnung Physiotherapie.

Worauf Sie bei der Annahme achten sollten

  1. Diagnosegruppe und ICD-10-Code müssen zusammenpassen.
  2. Leitsymptomatik ist angegeben – bei x mit Beschreibung.
  3. Heilmittel passt zur Diagnosegruppe (vorrangig/ergänzend).
  4. Menge überschreitet nicht die Höchstmenge je Verordnung (Ausnahmen beachten).
  5. Frequenz ist angegeben – sie ist für Sie bindend.

So hilft Thera X

Der Verordnungsassistent prüft diese Punkte schon bei der Eingabe nach den Grundregeln der Heilmittel-Richtlinie – Diagnosegruppe, ICD-10-Code, Leitsymptomatik, Frequenz und Höchstmengen – und zeigt die Katalogwerte zur gewählten Diagnosegruppe direkt neben dem Formular.

Häufige Fragen

Was bedeutet „EX a“ auf der Verordnung?

Erkrankung der Extremitäten oder des Beckens mit vorrangiger Schädigung der Gelenkfunktion, etwa eingeschränkter Beweglichkeit, Instabilität oder Schmerzen.

Was bedeutet „EX b“?

Erkrankung der Extremitäten oder des Beckens mit vorrangiger Schädigung der Muskelfunktion, etwa verminderter Kraft, Ausdauer oder Koordination.

Wie viele Behandlungen sind bei EX möglich?

Bis zu 6 je Verordnung; orientierend bis zu 18 Einheiten insgesamt (bei Kindern und Jugendlichen bis zu 50), danach bei Notwendigkeit mit Begründung.

Darf ich bei EX Manuelle Therapie und Wärme kombinieren?

Ja, wenn beides verordnet ist: MT ist ein vorrangiges, Wärmetherapie ein ergänzendes Heilmittel der Diagnosegruppe EX.

Was ist der Unterschied zwischen Höchstmenge und orientierender Behandlungsmenge?

Die Höchstmenge gilt je Verordnung – bei EX bis zu 6 Einheiten. Die orientierende Behandlungsmenge beschreibt, wie viele Einheiten über alle Verordnungen eines Verordnungsfalls in der Regel ausreichen; mit medizinischer Begründung darf sie überschritten werden.

Welche Diagnosegruppen gibt es in der Heilmittelverordnung?

In der Physiotherapie WS, EX, CS, ZN, PN, AT, GE, LY und SO1 bis SO5. Ergotherapie, Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie sowie Podologie haben eigene Diagnosegruppen.

Quellen

Stand: 19.10.2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Abrechnungsberatung. Regelungen können sich ändern – maßgeblich sind die aktuellen Fassungen der Richtlinien und Verträge.

Philipp Ramsch
Über den Autor

Philipp Ramsch entwickelt in Cottbus die Praxissoftware Thera X für Physiotherapiepraxen. Fragen oder Hinweise zu diesem Beitrag? Schreiben Sie uns.

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