Ein TI-Gateway ist ein Zugang zur Telematikinfrastruktur, bei dem der Konnektor nicht in der Praxis steht, sondern bei einem Anbieter im Rechenzentrum läuft. Für Heilmittelerbringer ist das neben dem klassischen Konnektor der zweite Weg in die TI. Und die Entscheidung steht an: Bis zum 1. Oktober 2027 müssen Heilmittelpraxen angeschlossen sein. Die Frist wurde Ende 2025 verschoben, der IFK hat im Juli noch einmal daran erinnert, nicht bis zuletzt zu warten.
Was ist die Telematikinfrastruktur überhaupt?
Die Telematikinfrastruktur, kurz TI, ist das geschlossene, gesicherte Netz des deutschen Gesundheitswesens. Über sie laufen unter anderem KIM-Nachrichten, die elektronische Patientenakte und künftig die elektronische Verordnung. Wer in dieses Netz will, braucht drei Dinge: einen Ausweis, der die Praxis eindeutig identifiziert, einen gesicherten Zugang und eine Software, die mit beidem umgehen kann. Beim Zugang gibt es die Wahl.
Weg 1: der Konnektor in der Praxis
Der klassische Weg. Ein Konnektor ist ein kleines, zugelassenes Gerät, das in der Praxis steht und eine verschlüsselte Verbindung in die TI aufbaut. Dazu kommen ein Kartenterminal für den Praxisausweis und die Praxissoftware, die mit dem Konnektor spricht.
Vorteil: Die Technik ist erprobt und seit Jahren in Arzt- und Zahnarztpraxen im Einsatz. Viele IT-Betreuer kennen sie. Nachteil: Sie haben ein weiteres Gerät vor Ort, das gewartet, aktualisiert und irgendwann ausgetauscht werden muss. Konnektoren haben Zertifikate mit begrenzter Laufzeit; das hat in den vergangenen Jahren bei Ärzten bereits zu Tauschaktionen geführt.
Weg 2: das TI-Gateway
Beim TI-Gateway läuft die Konnektorfunktion bei einem Anbieter im Rechenzentrum, auf einem sogenannten Highspeed-Konnektor. Die Praxis verbindet sich über einen gesicherten Zugang dorthin. Die gematik beschreibt das TI-Gateway als künftige Standardlösung, weil es weniger Technik vor Ort braucht. Den ersten Highspeed-Konnektor hat die gematik im Dezember 2024 zugelassen.
Für kleine Praxen ohne eigene IT-Betreuung ist das interessant: kein Gerät im Schrank, Updates übernimmt der Anbieter. Im Gegenzug sind Sie stärker von dessen Verfügbarkeit und Vertrag abhängig, und Sie zahlen in der Regel eine laufende Gebühr.
Der Vergleich auf einen Blick
| Konnektor in der Praxis | TI-Gateway | |
|---|---|---|
| Technik vor Ort | Konnektor, Kartenterminal | Kartenterminal, gesicherter Zugang |
| Wartung und Updates | Praxis bzw. IT-Betreuung | Anbieter |
| Abhängigkeit | vom eigenen Gerät | von Verfügbarkeit und Vertrag des Anbieters |
| Geeignet für | Praxen mit eigener IT-Betreuung | Praxen ohne Technik-Zuständigen, mehrere Standorte |
Was Sie in beiden Fällen brauchen
- Praxisausweis (SMC-B): weist die Praxis als Einrichtung in der TI aus. Für Heilmittelerbringer wird er über das elektronische Gesundheitsberuferegister beantragt.
- Elektronischer Heilberufsausweis (eHBA): der persönliche Ausweis, etwa für qualifizierte Signaturen.
- Kartenterminal: für die Ausweise und künftig für die Versichertenkarte.
- KIM-Adresse: für den sicheren Nachrichtenaustausch, zum Beispiel für Therapieberichte.
- Software mit TI-Anbindung: die alles zusammenführt.
Die Kosten der TI werden über die TI-Pauschale erstattet; die Beantragung läuft über das Portal des GKV-Spitzenverbands. Laut TI-Vereinbarung für Physiotherapeuten nach § 380 SGB V hängt die volle Pauschale davon ab, dass alle geforderten Anwendungen genutzt werden – fehlt KIM, wird sie gekürzt. Prüfen Sie die aktuelle Fassung der Vereinbarung vor dem Kauf.
Und die elektronische Verordnung?
Die elektronische Heilmittelverordnung ist einer der Hauptgründe für die Anschlusspflicht. Weil sie sich verzögert, wurde auch die Frist für die TI-Anbindung verschoben. Einen verbindlichen bundesweiten Starttermin für die eVerordnung im Heilmittelbereich gab es zum Stand dieses Beitrags nicht. Für Ihre Planung heißt das: Die Technik sollte rechtzeitig stehen, aber die Papierverordnung bleibt vorerst der Alltag. Nutzen können Sie die TI trotzdem schon – vor allem für KIM, also den sicheren Austausch von Berichten und Nachrichten mit Arztpraxen.
Mehrere Standorte, mobile Therapie
Ein Sonderfall sind Praxen mit Zweigstelle oder vielen Hausbesuchen. Beim Konnektor braucht in der Regel jeder Standort seine eigene Technik. Beim TI-Gateway können mehrere Standorte über denselben Anbieter angebunden werden. Ob sich das rechnet, hängt vom Angebot ab – lassen Sie sich beide Varianten durchrechnen, bevor Sie unterschreiben.
Welche TI-Anbieter gibt es?
Konnektoren, TI-Gateways, Kartenterminals und KIM-Dienste werden von verschiedenen Unternehmen angeboten. Welche Produkte und Anbieter zugelassen sind, veröffentlicht die gematik in ihren Zulassungsübersichten auf dem Fachportal. Das ist die verlässlichste Quelle – Werbeseiten und Ranglisten sind oft unvollständig oder veraltet. Fragen Sie außerdem Ihren Softwareanbieter, mit welchen Diensten seine Software zusammenarbeitet. Nicht jede Praxissoftware unterstützt jeden Weg.
Wie entscheiden?
Drei Fragen helfen. Haben Sie eine IT-Betreuung, die ein weiteres Gerät gern übernimmt? Dann ist der Konnektor eine solide Wahl. Haben Sie niemanden, der sich um Technik kümmert? Dann spricht viel für das TI-Gateway. Und: Was bietet Ihr Softwareanbieter an, und was kostet die Lösung über drei Jahre – inklusive laufender Gebühren und abzüglich der Erstattung?
Unser Rat: Beantragen Sie die Ausweise zuerst. Das dauert erfahrungsgemäß am längsten, unabhängig davon, für welchen technischen Weg Sie sich entscheiden. Einen Zeitplan zum Abhaken finden Sie im Beitrag zur TI-Pflicht in der Physiotherapie. Wie Thera X die TI anbindet, haben wir unter TI und KIM zusammengefasst: Die Anbindung kommt ab Dezember 2026 und ist im Preis enthalten.
Häufige Fragen
Was ist ein TI-Gateway?
Ein Zugang zur Telematikinfrastruktur, bei dem die Konnektorfunktion bei einem Anbieter im Rechenzentrum läuft (Highspeed-Konnektor). Die Praxis braucht dann kein eigenes Konnektorgerät mehr.
Bis wann müssen Physiotherapiepraxen an die TI angeschlossen sein?
Nach der Verschiebung durch den Gesetzgeber bis zum 1. Oktober 2027.
Brauche ich mit TI-Gateway noch ein Kartenterminal?
Ja. Praxisausweis und Heilberufsausweis werden weiterhin in der Praxis gesteckt; nur die Konnektorfunktion läuft beim Anbieter.
Wann kommt das digitale Rezept in der Physiotherapie?
Die elektronische Heilmittelverordnung verzögert sich; einen verbindlichen bundesweiten Starttermin gab es zum Stand dieses Beitrags (September 2026) nicht. Deshalb wurde auch die TI-Pflicht auf den 1. Oktober 2027 verschoben.
Was kostet die Telematikinfrastruktur?
Das hängt vom Anbieter und vom gewählten Weg ab. Die Kosten werden über die TI-Pauschale erstattet; die volle Pauschale gibt es nur, wenn alle geforderten Anwendungen wie KIM genutzt werden.
Quellen
- IFK: TI-Anbindung – nicht bis zur Frist warten (22.07.2026)
- VDB-Physiotherapieverband: Bundestag verschiebt TI-Anbindung (07.11.2025)
- gematik: Highspeed-Konnektor und TI-Gateway (Infoblatt)
- gematik Fachportal: Zulassungs- und Bestätigungsübersichten
- secunet: Highspeed-Konnektor 2.0 erhält Zulassung der gematik (12.12.2024)
- gematik: Checkliste TI-Anbindung für Heilmittelerbringer
- TI-Vereinbarung Physiotherapeuten nach § 380 SGB V
- Verbandsbüro: TI-Anbindung – Fristverlängerung bis Oktober 2027
Stand: 22.09.2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Abrechnungsberatung. Regelungen können sich ändern – maßgeblich sind die aktuellen Fassungen der Gesetze, Richtlinien und Verträge.

