Was ist eine KIM-Adresse? KIM und TI-Anbindung für Physiotherapiepraxen

Von Philipp Ramsch, Entwickler von Thera X · Lesezeit ca. 4 Minuten
Praxis-Server mit blauen Statusleuchten im abgeschlossenen Schrank – Daten bleiben in der PraxisDieses Bild wurde mit KI erzeugt.

KIM ist der sichere E-Mail-Dienst der Telematikinfrastruktur – und für Physiotherapiepraxen mehr als ein Kommunikationsweg: Ohne KIM wird die TI-Pauschale um die Hälfte gekürzt. Was eine KIM-Adresse ist, wie Sie zu einer kommen und welche Schritte zur TI-Anbindung gehören, erklären wir hier.

Was ist KIM?

KIM – Kommunikation im Medizinwesen ist ein Dienst der gematik für den sicheren Austausch von Nachrichten und Dokumenten innerhalb der Telematikinfrastruktur (TI). Nachrichten und Anhänge werden Ende-zu-Ende verschlüsselt und signiert. Damit eignet sich KIM für Gesundheitsdaten – anders als normale E-Mail oder Fax.

Was ist eine KIM-Adresse?

Eine KIM-Adresse sieht aus wie eine E-Mail-Adresse, endet aber auf .kim.telematik. Die Grundstruktur lautet nach Angaben der KBV name@anbieter.kim.telematik; den Teil vor dem @ kann die Praxis frei wählen. Die Praxisadresse ist mit dem Praxisausweis (SMC-B) verknüpft. Zusätzliche Adressen sind möglich – etwa für Empfang und Therapie oder für mehrere Standorte.

Wie finde ich die KIM-Adresse einer Arztpraxis?

Über den Verzeichnisdienst (VZD) der TI. Laut KBV enthält er rund 300.000 KIM-Adressen; gesucht wird nach Name, Postleitzahl oder Straße – direkt aus der KIM-fähigen Software.

Wofür nutzt eine Physiotherapiepraxis KIM?

  • Therapieberichte an die verordnende Ärztin oder den verordnenden Arzt
  • Rückfragen und Korrekturen zu Verordnungen – ohne Fax und ohne Botengang
  • Arztbriefe und Befunde empfangen und direkt der Patientenakte zuordnen
  • künftig der Austausch rund um die elektronische Heilmittelverordnung, sobald sie eingeführt ist

Warum KIM bares Geld wert ist: die TI-Pauschale

Praxen, die an die TI angeschlossen sind, erhalten von den Krankenkassen eine monatliche TI-Pauschale. Die Höhe legt das Bundesgesundheitsministerium fest (§ 378 Abs. 2 SGB V); die Bedingungen für Physiotherapiepraxen stehen in der TI-Vereinbarung nach § 380 SGB V (Fassung vom 11.03.2024):

Regel Inhalt
§ 4 Abs. 1 Die Praxis erklärt gegenüber den Krankenkassen, dass sie die Anwendungen – darunter KIM – in der aktuellen Version unterstützt.
§ 3 Abs. 5 Fehlt eine geforderte Anwendung wie KIM, wird die Pauschale um 50 Prozent gekürzt.
§ 3 Abs. 7 Ohne TI-Anbindung wird keine Pauschale gezahlt.

Ab wann ist die TI Pflicht?

Ursprünglich sollten sich Heilmittelpraxen bis zum 1. Januar 2026 an die TI anschließen. Der Bundestag hat die Frist im November 2025 verschoben: Nach derzeitigem Stand gilt die Pflicht ab dem 1. Oktober 2027 (§ 360 Abs. 8 SGB V). Grund ist die verzögerte Einführung der elektronischen Heilmittelverordnung. Wer früher anschließt, erhält die Pauschale früher – und hat beim Pflichtstart keinen Zeitdruck.

In 7 Schritten zur TI-Anbindung mit KIM

  1. Heilberufsausweis (eHBA) für mindestens eine Person in der Praxis beantragen – über das elektronische Gesundheitsberuferegister (eGBR) und einen Vertrauensdiensteanbieter.
  2. Praxisausweis (SMC-B) beantragen: Prüfung beim eGBR (u. a. mit eHBA-Nummer und IK, Verwaltungsgebühr laut Land Berlin 40 €, Bearbeitung ca. 2–4 Wochen), danach Bestellung beim Vertrauensdiensteanbieter.
  3. TI-Zugang wählen: Konnektor mit Kartenterminal in der Praxis oder ein TI-Gateway eines zugelassenen Anbieters.
  4. KIM-Anbieter auswählen (Liste im Fachportal der gematik) und eine oder mehrere KIM-Adressen beantragen.
  5. KIM-Clientmodul installieren bzw. vom Anbieter einrichten lassen.
  6. Eintrag im Verzeichnisdienst prüfen, damit Arztpraxen Sie finden.
  7. Praxissoftware verbinden und die Erklärung nach § 4 TI-Vereinbarung abgeben, damit die Pauschale fließt.
Reihenfolge beachten

Für die SMC-B wird die Nummer eines eHBA benötigt. Beantragen Sie den Heilberufsausweis deshalb zuerst – die Bearbeitung dauert mehrere Wochen.

Was kostet das?

TI-Zugang, Kartenterminal, Praxis- und Heilberufsausweis sowie das KIM-Postfach bezahlen Sie bei den jeweiligen Anbietern. Dafür erstatten die Krankenkassen die monatliche TI-Pauschale – vorausgesetzt, alle geforderten Anwendungen sind vorhanden. Vergleichen Sie bei den Anbietern Laufzeiten und Einrichtungskosten.

KIM im Praxisalltag organisieren

Ein KIM-Postfach ist nur so gut wie die Regeln dafür. Legen Sie fest, wer es liest, wie oft – etwa morgens und mittags – und wer bei Urlaub vertritt. Eingehende Befunde sollten direkt der richtigen Patientenakte zugeordnet werden und nicht im Postfach liegen bleiben. Und: Nachrichten an Arztpraxen kommen nur an, wenn die Empfänger ebenfalls KIM nutzen. Ein kurzer Blick in den Verzeichnisdienst vor dem ersten Versand spart Rückfragen.

So hilft Thera X

Thera X wird ab Dezember 2026 an die TI angebunden. Dann versenden und empfangen Sie KIM-Nachrichten direkt in der Software – Therapieberichte und Verordnungsrückfragen aus der Patientenakte heraus. Die TI- und KIM-Funktionen sind im Preis enthalten. Mehr dazu auf unserer Seite TI und KIM.

Häufige Fragen zu KIM

Ist KIM dasselbe wie E-Mail?

Es funktioniert ähnlich, läuft aber ausschließlich innerhalb der TI. Nur Teilnehmer mit TI-Zugang und KIM-Adresse können Nachrichten senden und empfangen.

Brauche ich für KIM ein eigenes Programm?

Das hängt von Ihrer Praxissoftware ab. Ist KIM integriert, arbeiten Sie direkt in der Software; sonst nutzen Sie ein separates KIM-Programm Ihres Anbieters.

Was ist der Unterschied zwischen eHBA und SMC-B?

Der eHBA weist eine Person aus (z. B. die Praxisinhaberin), die SMC-B die Praxis als Einrichtung.

Welche KIM-Anbieter gibt es?

Die gematik führt die zugelassenen KIM-Anbieter in ihrem Fachportal. Vergleichen Sie Preise, Vertragslaufzeit und ob der Anbieter mit Ihrer Praxissoftware zusammenarbeitet.

Was kostet die Telematikinfrastruktur für eine Physiotherapiepraxis?

Einen Einheitspreis gibt es nicht: TI-Zugang, Kartenterminal, Ausweise und KIM-Postfach kaufen Sie bei verschiedenen Anbietern. Im Gegenzug zahlen die Krankenkassen die monatliche TI-Pauschale, deren volle Höhe an die Nutzung der geforderten Anwendungen geknüpft ist.

Philipp Ramsch
Über den Autor

Philipp Ramsch entwickelt in Cottbus die Praxissoftware Thera X für Physiotherapiepraxen. Fragen oder Hinweise zu diesem Beitrag? Schreiben Sie uns.

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